Woche vom 29.04. bis 5.05.

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Montag, 29.04.2002
Am Montag war mein erster richtiger Arbeitstag, wenn man so will. Ich sollte um 9.00 Uhr in der Universite Stendhal erscheinen, um einen Test über mich ergehen zu lassen. Das war dann aber auch ein hammerharter Test, kann ich Euch sagen. Zunächst mussten wir einem Text lauschen und daraufhin dann Fragen beantworten. Aber der Text hatte es in sich, ich weiss gar nicht so genau, worüber er handelte. Im Gegenteil, lediglich an Hand der Fragen konnte ich festmachen, worum es ging. Irgendwas mit Einwanderern nach Frankreich, die dann auch viele Kinder in die Welt setzen und wenig Geld verdienen, weil sie nicht so klug sind blablabla. Danach stand dann ein Lesetext auf dem Programm. Wir mussten einen Text lesen und daraufhin dann die Fragen beantworten, auch nicht leicht. Aber irgendwie hab ich das dann schon hinbekommen. Am Schluss stand dann noch ein Grammatiktest auf dem Programm. Auch nicht ohne. Das war die reinste Raterei. Egal. Dann bin ich noch zu einer netten Dame begleitet worden, die mich interviewt hat. Daraufhin bin ich dann in die Kategorie avancé eingeordnet worden. Das heisst Fortgeschrittene. Also dann konnte es ja am nächsten Morgen losgehen. Doch vorher hab ich noch eine nette Schwarzhaarige ansprechen müssen, natürlich auf Französisch. Klar war allerdings, dass sie nicht aus Frankreich kommt, sonst würde sie ja den Sprachkurs nicht belegt haben. Aber dass sie dann aus Deutschland kommt, genauer aus Konstanz, damit hätte ich als allerwenigstens gerechnet. Naja, erst mal habe ich ihr den Computerraum gezeigt, anschliessend haben wir den Vormittag gemeinsam auf dem Campus verbracht, ehe ich zum Essen gegangen bin.
Vor der Uni
Sie hat sich dann nach Hause verabschiedet. Ulrike heisst sie, ist 27 Jahre alt und hat Politik studiert. Ja, und jetzt möchte sie noch ihre Französischkenntnisse verbessern, ehe sie sich ins Arbeitsleben stürzt. Auch irgendwie cool. Sie bleibt allerdings 2 Monate in Grenoble. Am Nachmittag habe ich dann erst mal eingekauft. Ein Kochtopf hat mir ja noch gefehlt. Zudem habe ich Schokolade, Nudeln und eine Niveacreme gekauft. Mein Ausschlag am Mund hat nämlich wieder eingesetzt, mince alors! Später bin ich dann nochmals auf den Campus, um etwas zu lesen und mal nach den Mädels zu schauen. Es waren noch alle da. Am Abend hab ich dann erst mal mich an meiner Homepage zu schaffen gemacht, immerhin bin ich 2 Tage im Rückstand. Danach hab ich mir was zu Essen gemacht. Rührei und Baquette mit Käse, das war´s. Immerhin, etwas schönes hatte der Abend dann noch. Amélie hab ich kennengelernt. Sie lernt Deutsch, aber wie alle Franzosen spricht sie es kaum. Trotzdem verbringe ich noch ein paar schöne Stunden bei ihr im Zimmer, aber nicht so, wie ihr denkt. Nein, wir haben nur gesprochen, sie ist ohnehin nicht mein Typ. Aber Conversation schadet nie. On ne sais jamais. Als ich mich um kurz nach 23.30 Uhr verabschiede, erzählt Florian, dass Oliver jetzt schon über 4 Stunden mit seiner Freundin aus England telefoniert, wenn das kein Weltrekord ist! Mal sehen, ob er am nächsten Morgen immer noch telefoniert! Gute Nacht.

Dienstag, 30.04.2002
Am Dienstag haben dann meine Vorlesungen angefangen. Ich war ganz schön überrascht, als ich gesehen habe, dass ich nahezu nur von Asiaten umgeben war. Wir sind insgesamt 16 Leute, auch nicht gerade wenig für einen Französischkurs. Meine Kommilitionen kommen aus den unterschiedlichsten Ländern, China, Malaysia, Marocco, Libanon, Slowakei, Italien, Spanien, Australien, Japan und Korea. Unglaublich, oder? Aber das ist wirklich klasse, so lernt man die ganze Welt in vier Wochen kennen, wer kann das schon von sich sagen. Die erste Stunde war eigentlich gar nicht so wild. Obwohl ich den Eindruck habe, wie wenn die Dozentin keine Rücksicht darauf nimmt, ob wir das alles auch verstehen, was sie da sagt, sie spricht einfach nur los, kann ich ohne Probleme folgen. Insgesamt haben wir 4 Zeitstunden Vorlesung,
Unsere Kücke
eine davon verbringen wir, wie übrigens jeden Tag, im Sprachlabor. Also, das muss man sagen, für das Geld bekommt man wirkich was geboten, keine Frage. Die 4 Stunden vergehen wie im Flug, und schon ist es 16.30 Uhr. Ich habe mich dazu entschlossen, noch eine Runde mich auf dem grünen Rasen des Campus zu bräunen und natürlich auch ein bisschen was zu lernen. Am Abend habe ich mich kurzfristig dazu entschlossen, ein kleines Fest zu geben. Insgesamt sind wir 4 Leute, auch nicht gerade viel, aber egal, bleibt halt mehr Bier für die übrig, die da sind. Insgesamt trinken wir zusammen 16 Flaschen Kronenburg. Schmeckt gar nicht so schlecht, wenn ich ehrlich bin. Das dumme ist nur, dass die Flasche nur 25cl passen. Also, nach 2 Schluck kannst Du dir schon wieder ne neue nehmen. Aber gut, die Franzosen sind das Biertrinken vielleicht nicht so gewöhnt, und daher die kleinen Flaschen. Es ist ne nette Runde und wir plaudern über dies und das. Gegen Ende des Abends schauen wir uns noch ein Scary Movie 2 an - auf Französisch natürlich. Nicolas hat nämlich etliche Filme auf CD. 2 davon gibt er mir dann auch gleich. "Le seigneur d´anneau" und "Bricol´ Girls". Das erste heisst übrigens "Herr der Ringe" und das andere "Handwerksmädels". Um ersten brauch ich glaub ich nicht viel sagen, und zum anderen. Naja, es handelt halt davon, wie man Handwerksarbeiten im Haus selbst erledigt. Das alles eben nur präsentiert von 3 hübschen Mädels. Satire eben. Nach dem Film gehen wir allesamt brav ins Bett, denn am nächsten Morgen steigt in der Stadt eine Demo gegen Le Pen, aber auch nicht für Chirac, eben für "Égalité, Fraternité und Liberté. Das ganze wird um 10.00 Uhr losgehen, also husch husch ins Bett.

Mittwoch, 1.05.2002
Mittwoch, der 1.Mai, nicht nur bei uns ein Feiertag, nein auch die Franzosen kennen den Tag der Arbeit. Wie eigentlich immer, sind an diesem Tag in Frankreich, Demostrationen. Aber an diesem Tag wird nicht wegen dem Tag der Arbeit gestreikt, nein, heute ist ganz Frankreich auf der Strasse, um gegen "Extrême Droite", sprich gegen Le Pen und die Front National zu demonstriern. Wir kommen um kurz nach 10 Uhr am Bahnhof in Grenoble an. Mit dabei sind Florian, Oliver, und noch 2 weitere Freunde von Florian. José und Nicolas wollen später dazu stossen. Uns bietet sich ein ausergewöhnlicher Anblick. Etwa 50.000 Demonstranten haben sich am Bahnhof versammelt. Was auffallend ist, es sind Anhänger aller unterschiedlichsten Parteien anwesend. Alle bringen sie ihren Unmut über die Ideen der FN zum Ausdruck. Es wird gesungen und gerufen, ein Mann auf einem Podest, mit einem Micro und Lautsprechern bewaffnet, sorgt ein bisschen für Stimmung, heizt die Leute an. "Nous sommes tous des enfants immigrés, première, deuxième, troisième génération!" Was so viel heisst, wir sind alle Einwanderer, ob erste, zweite oder dritte Generation. Dann geht der Marsch durch die Stadt los, die Masse setzt sich in Bewegung, und wir mitten drin. Über die ganze Strecke hinweg säumen Menschen die Strasse. Und überall sind Transparente zu sehen. Auf einem ist zu lesen, "Le Pen, enculé" oder "Nous ne voulons pas un cinqième Reich, nous voulons un sixième République". Dann wird afrikanischer Rap aufgelegt. Oliver sagt mir, dass Le Pen diese Musik verbieten möchte. Eine kranke Einstellung von Le Pen. Eigentlich verstösst Le Pen gegen die französischen Grundsätze Brüderlichkeit, Freiheit und Gleichheit. Und das ist eigentlich was, was allen Franzosen von klein auf beigebracht wird. Die Menschenmassen erreichen so gegen 13.00 Uhr einen grossen Platz. Hier wird dann noch die Marseillaise gesungen, beeindruckend, kann ich nur sagen. Auf dem Platz sind dann noch Schausteller und Musikkapellen, die für Stimmung sorgen. Der Hunger treibt uns dann um 13.30 Uhr nach Hause. Nach dem Essen gehe ich erst mal ins Bett, ich habe leichten Kopfschmerz und bin auch noch ein bisschen müde von Abend zuvor. Eigentlich hätte ich gerne einen Ausflug mit dem Fahrrad nach Chamrousse gemacht, um das Tour de France-Gefühl zu bekommen. Chamrousse liegt auf gut 2.000m über dem Meeresspiegel. Letztes Jahr verlief ein Bergzeitfahren von Grenoble nach Chamrousse hinauf. Ullrich hat damals 1 Minute auf Armstrong verloren. Aber da es regnet und ich ohnehin Kopfschmerzen habe, lasse ich das bleiben. Am Abend wird dann nach dem Essen das restliche Bier gekillt und dann noch Monopoly gespielt. Auf Französisch natürlich. Die Schlossallee kostet hier 40.000 balles. Am Ende werde ich zweiter, aber mit haushohem Rückstand auf Nicolas. Das aber auch nur, weil er auf "Frei Parken" gekommen ist und und gut 260.000 balles bekommen hat. Damit war dann das Spiel gelaufen und die Nacht konnte beginnen.

Donnerstag, 2.05.2002
Am Donnerstag war der Vormittag erst frei. Nichtsdestotrotz habe bin ich früh aufgestanden, denn ich hatte mir ja für 8.30 Uhr einen Rechner an der Uni reserviert. Das hiess zum ersten Mal Internetanschluss, juhu. Gut also für eine Stunde stand mir die Welt offen. Ich hab erst mal meinem Vater eine Mail geschrieben, damit die Familie auch weiss, dass es mir gut geht. Die halbe Stunde ist auch schnell rum. Gut, dann hab ich erst mal noch meine Hausaufgaben gemacht und in der Bibliothek die "Le Monde" geschnappt. Denn schliesslich muss man ja über die Geschehnisse am laufenden gehalten werden. Und so habe ich erfahren, dass Bayer Leverkusen nach einem 1:1 gegen Manchester ins Champions League Finale eingezogen ist.
Der Internetraum mit 15 Rechner!
Jetzt noch schnell ein Baquette gekauft, und schon konnte die Vorlesung beginnen. Eine Stunde Vorlesung und dann drei Stunden im Klassenzimmer. Mittlerweile habe ich auch den Eindruck, wie wenn ich tatsächlich Fortschritte mache. Als ich dann nach Hause komme, hat Martin angerufen. Ich kann mir auch schon denken, warum, denn am Abend ist ein Soirée angesagt. Also ruf ich ihn zurück und schon hat man sich für den Abend verabredet. Thomas kommt noch kurz vorbei, bringt auch 2 Karten, so sparen wir je einen Euro. Er hatte vor mit zu gehen, da es aber seiner Freundin nicht so gut geht, bleibt er zu Hause. Wir trinken noch kurz ein Bierchen und einen Pastis, und brechen dann um kurz nach 23.00 Uhr auf. "Spyce" heisst der Laden, wo wir hingehen. Nicht schlecht, auf jeden Fall, denn der Laden ist schön eingerichtet, mit einer Terrasse über der Tanzfläche. Ausserdem spielen sie gute Musik, es sind ein Haufen hübsche Mädels da, und jedes Getränk kostet nur 1,50 Euro. Das kommt für französische Verhältnisse wie ein Börsensturz gleich. Die Stimmung ist wirklich klasse, die Leute sind sehr ausgelassen. Am besten kommen die französischen Lieder, wie ich finde. Insbesondere Jean-Jacques Goldman und "Nuit de folie" ist der Kracher. Wir lernen auch noch 2 Französinnen kennen. Aber die sind ein bisschen zurückhaltend. Wir unterhalten uns nur kurz mit ihnen, und sehen sie dann erst wieder, als wir uns von ihnen verabschieden. Was mir auch aufgefallen ist, dass die Franzosen auf der Tanzfläche ständig die Frauen angraben, aber nicht nur einfach angraben, die gehen richtig ran. Ein Beispiel gefällig. Ein Mädchen wird von einen Typen angemacht, er kommt von hinten an sie heran, tanzt mit ihr, streichelt sie und berührt sie hier und da. Kurz darauf, sieht man eine Schlange von 3 Jungs, die wohl auch mal wollen. Egal, plötzlich hängt noch ein weiterer vor ihr an ihr dran. Das Mädchen muss sie jetzt wie ein Sandwich vorkommen. Beide streicheln sie und berühren sie unsittenhaft. Irgendwann hat sie dann aber genug und lässt von den beiden ab. Sie hat wohl ihren Spass gehabt, das wars, auch für Martin und mich, denn es ist jetzt 4 Uhr in der Früh und wir müssen beide morgens früh raus.

Freitag, 3.05.2002
Nach vielleicht 2 Stunden Schlaf stehe ich auf. Zwei Marmeladenbrote sind auch schnell gemacht und verzehrt. Es sind wieder 4 Stunden Französisch angesagt. Die 4 Stunden bring ich eigentlich ganz gut rum. Im Sprachlabor hören wir einen Titel von Mylène Farmer, "Dessine-moi un mouton". Das Lied gefällt mir unglaublich gut. Und so frage ich die Dozentin, ob man sich an der Uni die CD ausleihen könnte. Das geht leider nicht, aber sie verspricht mir, dass ich die CD von ihrer Tochter ausgeliehen bekomme. Geil. Als ich nach Hause komme, wird noch kurz eingekauft und nichts wie ins Bett, ich hab schliesslich ordentlich Schlaf nachzuholen. Als ich aufstehe, ist es bereits 20.00 Uhr. Wir essen alle zusammen, ehe wir dann bei Ludévine im Zimmer vor dem Fernseher landen. Und vielleicht hätte ich auch das eine oder andere verstanden, wenn die anderen ruhig gewesen wären. Aber, als sie dann von dem Unglück in Erfurt berichteten, hab ich doch vieles verstanden. Das lag aber daran, dass das französische Fernsehen Interviews mit Beteiligten geführt haben, und die natürlich auf Deutsch geanwortet haben. Desweiteren werden Reden von den beiden Kandidaten der Präsidentschaftswahlen gezeigt. Es sind ja immerhin nur noch 2 Tage bis dahin. Le Pen kann einem schon Angst machen, wenn ich ehrlich sein soll. Ludevine sagt, dass er in einer seiner Reden genau das wiederholt hat, was vor genau 69 Jahren ein gewisser Mann names Hitler gesagt hat. Also er hat zwar nicht die komplette Rede des Herren Hitler wiederholt, aber er laut Ludevine einen Satz komplett übernommen. Dem ist es auf jeden Fall Ernst. Sollte er die Präsidentschaftswahlen wirklich gewinnen, er ist auf jeden Fall fest davon überzeugt, glaubt fest an ein Erdbeben am kommenden Sonntag, dann wird es für die Ausländer in Frankreich sehr ungemütlich, und ich bleib keine weitere Sekunde länger hier, ganz ehrlich. Bis jetzt gab es keine Zwischenfälle, mein Fahrrad wurde nicht geklaut, und was noch wichtiger ist, mein Auto wurde auch nicht in Mitleidenschaft gezogen. Aber warten wir den Sonntag ab. Ja, das wars dann auch schon für den Freitag.

Samstag, 4.05.2002
Ich stehe um 10 Uhr auf, mache Frühstück, wie gestern, Marmeladenbrote, und richte mich dann für den Nachmittag, denn da möchte ich meine Homepage raufladen. Das möchte ich bei Martin machen, denn ich habe ja keinen Internetzugang im Wohnheim. Ich bin um 14.00 Uhr bei Martin verabredet. Als ich kurz vor 14 Uhr erscheine, ist er noch nicht da. Also entschliesse ich mich dazu, noch was an meiner Homepage zu basteln. Als er dann auch schon kurz darauf erscheint, essen wir noch eine Kleinigkeit und dann gehts an die Arbeit, was meine Seite angeht. Wir müssen eine Netzwerkverbindung herstellen, ich hoffe da auf Martin, denn ich hab davon keine Ahnung. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben wir es dann tatsächlich geschafft. Die Netzwerkverbindung steht. Und schon nach kurzer Zeit ist meine Seite im Internet erneutert. Der erste, der es mitbekommt, ist Kons, den der ist gerade mittels ICQ erreichbar. Und natürlich hat er sich gleich alles angeschaut, was es so auf meiner Seite Neues gibt, hoffe ich zumindest, gell, Kons! Gegen Abend gehen Martin und ich dann noch in die Stadt. Wir gehen Crêpes essen. Ich nehme gleich zwei, einen mit Spiegelei, Spinat und Käse. Der zweite ist dann mit Chatreuseeis, Himbeere, und heisser Schokolade. Beide könnte ich ohne weiteres weiterempfehlen. Anschliessend gehen wir noch in den "London Pub". Ein netter Laden. Es wird, wie aber in fast allen Pubs getanzt und natürlich getrunken, logisch. Hier bekommen wir auch mit, wer französischer und deutscher Fussballmeister geworden ist, denn im Fernsehen, dass ebenfalls läuft, können wir einer Fussballsendung folgen. Um kurz vor 12 verlassen wir den Laden, eigentlich untypisch, denn um diese Zeit geht es in den Pubs erst richtig los. Und die Mädels sind jetzt auch in zahlreicherer Menge vertreten. Aber dennoch, der Abend ist für uns hiermit beendet.

Sonntag, 5.05.2002
Der Sonntag hat erst mal mit einer ausgiebigen Schlafeinheit begonnen. Aufgestanden bin ich dann letztendlich so um 14.00 Uhr ungefähr. Tja, dann hab ich erst einmal was zu Essen gemacht. Spaghetti!, ich weiss nicht zum wievielen Mal schon. Aber das ist halt einfach das Studentenessen schlechthin. Nicht nur bei mir! Bei den anderen sieht es nicht anders aus. Dann habe ich Nicolas und José in der Küche getroffen. Auf die Frage, was sie denn heute Nachmittag machen wollten, antworteten sie mit "museé". Und da ich auch nichts weiter vor hatte, hab ich die beiden eben geleitet. "Musée de jardin et plants" hiess es genau. Es war wirklich interessant. Man hat viele verschiedene Kristalle begutachten können, dazu Tiere, insbesondere aus der näheren Umgebung. So waren Wildschweine, Luchse, Steinböcke und verschiedene Arten von Vögeln ausgestellt.
Das Museum
Zu guter letzt war im Keller auch noch ein Aquarium. Ja, und dann war auch schon 18.00 Uhr und das Museum hat geschlossen. Ich bin aber erst gegangen, nachdem ich mich im Gästebuch verewigt habe. Nicht ohne zu vergessen, woher ich komme und wie es mir gefallen hat. Solltet ihr auch mal nach Grenoble kommen, geht unbedingt in das Museum, ihr verpasst sonst was. Ausserdem seid ihr schon mit 1,10 € dabei, wenn ihr unter 26 Jahre seid. Mittlerweile sind wir auch gespannt über das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen. Das Ergebnis wird um 20.00 Uhr bekanntgegeben. Es ist klar, dass wir bei Ludevine die Ergebnisse erfahren werden, denn sie ist die einzige, die einen Fernseher hat. Also, ran an die Frau. Aber da sie gerade unter der Dusche stand haben wir ihr noch ein paar Minuten gegeben, um dann zu erfahren, dass sie mit ihrem Freund ausgeht.
Nicolas, Oliver und José verfolgen die Wahlergebnisse
Aber Ludevine ist ein nettes Mädel, deswegen war sie bereit, den Fernseher für diesen Abend gegen was Essbares einzutauschen. Angeboten wurden, natürlich Nudeln, von mir Oliven, aber das hat sie alles nicht überzeugen können. Erst als ich den Joker gezogen habe und ihr eine Tafel Schokolade angeboten habe, ist sie schwach geworden. Also habe ich ihr eine halbe Tafel Milka Schokolade gegeben, ein ganze war ihr zuviel. Der Abend war gerettet. Und so haben wir uns in der Küche vor dem Fernseher versammelt. Um Punkt 20.00 Uhr war das Ergebnis da, CHIRAC 81,9% und LE PEN 18,1%. In dieser Deutlichkeit hätte ich es nicht erwartet. Denn Le Pen hatte in der 1.Wahl ja bereits 17%. Im zweiten Wahlgang lag die Wahlbeteiligung dann gar bei ungefähr 82%. Da haben sich dann doch noch gut 10% dazu entschieden, für die Republik wählen zu gehen. Ich bin erleichtert, aber nichtsdestotrotz, in manchen Regionen hat Le Pen knappe 40% bekommen, und das ist wirklich viel. Dort möchte ich nicht unbedingt Urlaub machen, wenn es sich um militante Anhänger handelt. Tja, mit der Zeit haben sich dann alle verabschiedet, und mich mit 2 anderen eingelassen. Um 23.00 Uhr bin ich dann mit dem Fernseher, ich hatte ihn für den Abend ja ersteigert, ins Bett gegangen. Kurz hab ich dann noch ferngeschaut. Es lief Rocky IV, ich hab aber nicht viel verstanden. Egal, ich kannte den Film ja ohnehin, und so bin ich ins Bett gegangen. Guts Nächtle und auf in die dritte Woche.


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