Woche vom 22.04. bis 28.04.

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Montag, 22.04.2002
Alle Sachen sind gepackt, das Auto, ein Ford Mondeo Kombi, Baujahr 1993, 90PS (nur für die technisch Interessierten unter Euch) ist bis unters Dach voll mit Klamotten, Bier, Büchern, Wäsche, Schuhe und einem Fahrrad! Es ist kurz nach 15.00 Uhr, die Fahrt kann losgehen. Nur noch schnell von der Mama sich verabschieden, und einmal feste drücken und ehe ich michs versehe, sitze ich auch schon im Auto, lasse den Motor an und los gehts. Es liegen vor mir 569 km. Zunächst führt mich die Fahrt auf die A5 Richtung Basel. Ich habs nicht eilig, denn man sieht ja sonst nicht so viel von der Umgebung, also fahre ich nicht schneller wie 100 km/h, was man auch daran merkt, dass es knapp 17.00 Uhr ist, als ich endlich die schweizer Grenze erreiche. Vignette habe ich schon vorher beim ADAC gekauft, also läuft die ganze Sache problemlos ab, ich winke dem Zollbeamter nett an und schick, weils ja nichts kostet, noch ein Lächeln hinterher und schon bin ich in der Schwiz. Als erstes habe ich mir vorgenommen, werde ich mal tanken, denn, so hat mir Simon erzählt, soll es hier besonders billig sein. Das ist aber wohl nur einer von vielen Vorteilen, die die Schweizer geniessen. 1,46 SFR kostet der Liter Sans Plomb 95 an der Tankstelle am Rasthof Pratteln - kurz nach Basel.
Lac de la Creyère
Ich mach die Kiste voll, 40 l insgesamt, bezahle mit der Mastercard und schon geht´s weiter. Die nächsten Stunden nicht sehr aufregend, ich fahre über Bern und dann weiter nach Lausanne. Interessant ist allerdings der Lac de la Creyère, den ihr auf dem Bild sehen könnt. Ein wunderschöner See, eingebettet in eine traumhafte Berglandschft. Unbedingt mal vorbeischauen, wenn ihr an Fribourg vorbeifährt. Ein weiteres Highlight liefert dann der Lac Leman, auch als Genfer See bekannt. Von der Autobahn aus kann man ihn wunderbar bewundern. Traumhaft, sag ich Euch. Mitterweile ist es schon ziemlich dunkel geworden, ich dachte eigentlich, ich könnte Grenoble um etwa 22.00 Uhr erreichen, aber da hab ich mich wohl geschnitten, denn als ich Genf und damit die französische Grenze erreiche, ist es bereits 21.30 Uhr. Und dann hab ich mich auch noch verfahren, denn plötzlich finde ich mich wieder im tiefsten Stadtverkehr von Genf. Aber der kluge Mann denkt mit und was macht man in so einer Situation? Ganz klar und hier geht der Dank an meinen Schwager Marcus, der mir beim Kauf des Mondeos empfohlen hat, das Navigationssystem mitzukaufen. Also gebe ich Grenoble, Rue du Drac ein, ein kleiner Moment, denn das Navigationssystem muss erst die Strecke berechnen und schon kann´s losgehen. Ohne Probleme finde ich den Weg zur Autobahn nach Frankreich. Kurz die erste Maut von 1,60 € bezahlt und schon hat mich die autoroute francaise in ihren Bann gezogen. Mit 130 km/h geht es jetzt Richtung Grenoble. Vorbei an Annecy, Aix-les-Bains und Chambéry. Von Genf aus sind es noch 160 km bis nach Grenoble. Die Rue du Drac ist, nachdem mich das Navigationssystem einmal kurz im Stich gelassen hat und mich direkt vor ein verschlossenes Tor geführt hat, um 23.30 Uhr erreicht. Ich stehe vor einer hässlichen grünen Tür, auf der die Ziffer 6 aufgedrückt ist. Ganz klar, kein Zweifel, ich bin am Ziel, hier ist die neue Heimat von Martin. Ich klinge, aber niemand macht auf. Egal, sag ich mir, dann ruf ich Martin hat auf dem Telefon an, die Nummer hat er mir ja gegeben. Gesagt, getan, kurz danach steht Martin vor mir und empfängt mich herzlich. Ich bekomme sogar noch was zu essen, und überhaupt ist Martin ein super Gastgeber. Das Zimmer ist mit 20qm zwar nicht das grösste, aber Platz für einen Schrank, Schreibtisch und ein französisches Bett ist dennoch. Um kurz nach 1.00 Uhr fallen wir beide, aber natürlich insbesondere ich, totmüde ins Bett. Meine erste Nacht in einem neuen Leben steht mir bevor.

Dienstag, 23.04.2002
Dienstag morgen geht es gleich früh los. Martin hat Vorlesung um 8.00 Uhr. Das heisst, er weiss es noch gar ob er denn auch Vorlesung hat. Denn momentan sind auf dem Campus ein paar Zigeuner, die den Vorlesungsbetrieb aufhalten, über Dreck hinterlassen und Wasser und Strom von der Uni klauen. Ein Gesetz in Frankreich besagt, dass man den Zigeunern einen Platz zum Campen zur Verfügung stellen muss, immer und jederzeit. Aber die Studenten und Dozenten empfinden die Anwesenheit der Zigeuner als störend und entschliessen sich zu streiken. Und so war auch schon am Montag keine Vorlesung und die Woche zuvor auch nur sporadisch. Aber heute ist Vorlesung. Und so steigen wir aus der Tram B aus, ich verabschiede mich von Martin, ich werde ihn jetzt für mehrere Stunden nicht mehr sehen. Erst abends um kurz nach 18.00 Uhr wird er von den Vorlesungen zu Hause sein. Mein Weg geht zunächst über den Campus zur Univérsité Stendhal, bei der mich Martin die Vorwoche bereits eingeschrieben hat. Denn ich werde an der Univérsité Stendhal einen Sprachkurs beginnen, der mir helfen soll, mein Französisch zu perfektionieren. Ich finde den accueil nicht gleich, aber eine nette Mexikanerin, die ich in nahezu perfekten Französisch nach dem Weg frage, begleitet mich zum accueil. Ich klopfe vorsichtig und trete ein, nachdem mich niemand dazu aufgefordert hat. Einer netten Dame sage ich meinen Namen und sage, was ich möchte. Sie schaut im Computer nach und zack, hat sie mich gefunden. Ich muss nur noch einen Wisch ausfüllen, oder besser ergänzen, denn Martin hatte nicht alle Angaben zu meiner Person, und schon bin ich Student! - in Frankreich. Jetzt noch schnell die Gebühr bezahlen und ehe ich mich versehe, sitz ich schon am nächsten Schreibtisch. Wieder eine nette Dame. Sie haben sogar schon ein Zimmer für mich gefunden, direkt auf dem Campus. Denn ewig bei Martin kann ich nicht bleiben, das wäre auch zu eng. Meine neue Adresse lautet 2, rue Houille Blanche, Résidence Ouest Chambre No.315. Leider kann ich es heute noch nicht ansehen. Denn ich muss er noch eine Versicherung abschliessen. Und das hab ich nicht geschafft, oder besser hatte keine Lust mehr. Aber die Miete hab ich schon bezahlt, 243,93 € für den Monat, am 29.04. kann ich einziehen. Das war´s für´s erste, jetzt begebe ich mich wieder mit der Tram in Richtung Rue du Drac.
Les bulles de Grenoble
Ich möchte noch ein bisschen schlafen, denn jetzt spüre ich die Reisestrapazen erst richtig. Um 11.00 Uhr falle ich in die Federn, oder besser auf meine aufgeblasene Luftmatratze. Ich schlafe bis 16.30 Uhr. Martin wird erst um kurz nach 18.00 Uhr zurückkommen, und möchte bis dahin noch was zu Essen kaufen. Aber zunächst lerne ich Mme Sifflet kennen, die Hausbesitzerin. Sie bietet mir ein Bier an, ich lehne dankend ab und nehme eine Cola. Jetzt lerne ich auch noch Amelié und M. Sifflet kennen. Wir unterhalten uns eine gute halbe Stunde über dies und das. Als Mme Sifflet sich verabschiedet, geht auch die nette Amelié. Über sie habe ich gar nichts in Erfahrung bringen können, aber vielleicht kommt das ja noch. Ich schaffe es dann doch noch was in der Stadt einzukaufen. Und jetzt zeigt sich, dass es die beste Idee war, die ich im letzten Jahrzehnt hatte, als ich mich dazu entschlossen habe, das Fahrrad mitzunehmen. Problemlos kommt man mit dem Fahrrad durch die Strassen von Grenoble. Schnell sind Ratatuille und Brot eingekauft. Zurück bei Martin, erwartet mich auch schon Martin selbst. Wir entschliessen und noch auf die Bastille zu fahren, von wo man einen wunderbaren Blick auf Grenoble hat. Ein paar Bilder sind schnell geschossen und schon geht es zu Fuss wieder hinunter. Zu Hause wird noch schnell gegessen und dann auch gleich ins Bett gegangen. Der zweite Tag ist rum.

Mittwoch, 24.04.2002
Morgens früh bleib ich erst mal liegen, ich hab ja nichts zu verreissen. Martin allerdings hat wieder um 8.00 Uhr Vorlesung. Ich schlafe bis um 9.30 Uhr, frühstücke - un bol du thé caramel und ein Marmeladenbrot. Dann pack ich wieder mein Fahrrad und erneut geht auf zur Uni, denn für meinen Studienausweis brauchen die netten Damen noch ein Passfoto von mir. Die Sache ist schnell erledigt. Als nächstes mache ich mich auf dem Campus wegen der Versicherung schlau. Eine gutaussehende blonde Studentin kann mir allerdings auch nicht richtig weiterhelfen. Egal, es ist jetzt 12.00 Uhr und ich bin mir Martin in der Mensa zum Essen verabredet. Mir kommt es vor, wie wenn alle 60.000 Studenten auf einmal Essen gehen, eine ungefähr 50m lange Schlange lässt und gute 20 Minuten warten. Zu Essen gibt es Linsen, Käseröllchen, Rattatuille, einen Salat, Joghurt und Leitungswasser kostenlos. Es schmeckt so lala. Aber gut, für 2,40 € kann man wohl auch nicht mehr verlangen. Aber der Zweck heiligt schliesslich die Mittel. Anschliessend machen Martin und ich noch kurz ein Verdauungsnickerchen, ehe er sich dann wieder verabschieden muss, er hat noch 4 Stunden Vorlesung. Ich hingegen check erst einmal die Lage und die Mädels, und mach mich dann auf in die Bibliothek. Dort schau ich mich ein bisschen um, liess ein bisschen die Le Monde, und geh dann nochmals mich um die Versicherung kümmern. Endlich weiss ich, und was sich genau hinter der Versicherung versteckt. Die Versicherung ist schnell abgeschlossen, und ehe ich es mich versehe, hab ich auch schon die Schlüssel für meine Wohnung in Händen. Eine etwas ältere Dame gibt mir 2 Bettlaken und eine kratzende Decke mit, die ich sicher nicht benutzen werde. Dann stammelt sich noch was von boîte aux lettres, und schon bin ich weg. Ich kann´s kaum erwarten, ich will jetzt sofort in die Wohnung. Der 3. Stock und das Zimmer 315 sind schnell gefunden. Es befindet ich am Ende des Ganges.
Mein Zimmer
Blick aus meinem Zimmer
Sollte es mal zu einem Brand kommen, ich bin der erste, der überlebt, denn die Rettungsleiter ist direkt neben meinem Zimmer. Was ist zu dem Zimmer weiter zu sagen. Naja, es ist etwa 12 qm gross, hat Dusche, Toilette und Waschbecken. Zudem sind ein Schrank, Bett, Tisch und ein Stuhl im Preis drin. Schickes, gemütliches Zimmer mit Blick auf einen der unzähligen Berge, die sich um Grenoble auftun. Dann mach ich noch kurz Bekanntschaft mit zwei Mädels, die ebenfalls hier wohnen. Leider hab ich vergessen, mich vorzustellen, so weiss ich nichts über die beiden. Aber wer weiss, vielleicht sehe ich sie ja nochmals. Und wenn nicht, auch nicht schlimm, denn Mädels wird es hier ja wohl genügend geben. Jetzt mach ich mich auf den Weg nach Hause. Mit dem Fahrrad sind es von der Uni gut 30 Minuten zu Martin. Dort angekommen, wird erst mal was gearbeitet und dann gegessen. Der Abend klingt dann mit einem kleinen Bierchen und den letzten 20 min des Championsleague-Spiels zwischen Manchester United und Bayer Leverkusen aus. Der dritte Tag ist rum.

Donnerstag, 25.04.2002
Der Donnerstag geht mal ganz leger los. Ich stehe um 9.30 Uhr auf, Martin ist natürlich schon lange nicht mehr da, und dann räum ich auch gleich meine Sachen. Denn heute steht der Umzug ins Wohnheim an! Schnell sind alle Sachen ins Auto geladen. M. Sifflet öffent mir freundlicher Weise das Gatter, und schon ist mein erstes zu Hause in Frankreich auch schon wieder Vergangenheit. Zunächst möchte ich noch kurz im Casino vorbeischauen, denn von irgendwas muss der Mensch ja leben. 40 € sind auch schon schnell im Casino gelassen und ich hab zwei verschiedene Käsesorten, 1 kg Spaghetti, 3 Äpfel, Salz, Tee, 2 Suppen, Butter, Pfeffer, Reis, Toilettenpapier, Nektarsaft, 1 Flasche Bordeaux, Spülmittel, Handseife, 2 Geschirrspüllappen und eine Sauce. Ruckzuck wird alles ins Auto gebracht und dann soll mir mal wieder mein Navigationssystem auf der Unigelände helfen. Aber als ich Residénce Rue Houille Blanche eingegeben habe, bringt es mich geradewegs zu einem Wohnkomplex, der ebenfalls Houille Blanche heisst - dumm gelaufen. Naja, aber es dauert dann auch keine 15 min, und ich bin auf dem Unigelände angekommen, und da kenn ich mich ja jetzt aus. Also suche ich mir einen Parkplatz in der Nähe und greif mir schnell, was mir in die Finger kommt und bringe es rauf in den dritten Stock. Nachdem ich die erste Ladung nach oben gebracht habe, mache ich noch Bekanntschaft mit 2 coolen Franzosen. Sie sind gerade beim Essen, als ich sie anspreche, José und Oliver heissen sie, sind echt nette Jungs. José studiert Elektrotechnik, was man ihm auch wirklich ansieht, und Oliver Soziologie. Nach einer kurzen Unterredung verabschieden sich die beiden, man will sich aber beim gemeinsamen Abendessen wiedersehen. Ich verbringe den Nachmittag damit, meine Bude einzuräumen, alles an seinen Platz zu bringen. Dann mach ich mich nochmals auf, in der Stadt einzukaufen und mein Fahrrad zu holen, denn auf das bin ich hier in Grenoble am meisten angewiesen. Ich möchte Geschirr kaufen, aber dort wo ich zuerst schaue, kostet es mir zu viel. Und da ich neu in der Stadt bin und es mir zu blöd ist, jemanden zu fragen, wo man hier wohl am besten Geschirr kaufen kann, beschliesse ich, erst mal mein Fahrrad zu holen, und dann mit dem Fahrrad in der Stadt nach Geschirr Ausschau zu halten. In der Stadt ist die Hölle los. Aber gut, das ist zu verstehen, schliesslich scheint die Sonne und man könnte meinen, es wäre mitten im Sommer. Dementsprechend sieht man ordentlich Mädels auf den Strassen und in der Cafés. Ich hab aber keine Augen für so was. Schliesslich finde ich ein Geschäft, das genau das verkauft, was ich suche, und das auch noch zu einem günstigen Preis. Also kaufe ich Pfanne, 2 Teller, Messer, 2 Gläser und un bol. Was ich nicht bekomme, sind Topf sowie Gabel und Löffel. Aber das werde ich mir heute erst mal ausleihen. Vielleicht finde ich morgen ja was. Tja, und schon nimmt der Abend seinen Lauf. Beim Essen um kurz nach 20.00 Uhr, lerne ich 3 weitere Mitglieder der Etage kennen, Ludivine, Nicolas und Bertrand. Alle samt nette Leute. Ludivine ist leider äusserlich nicht das, was man sich unter einer Traumfrau vorstellt, aber sie ist zumindest super gentille. Nicolas hätte ich eigentlich als Zivi angesehen, aber gut, jetzt ist er eben Student. Lockige Haare und eine Brille. Bertrand wirkt sehr souverän, ist vielleicht auf der Etage so was wie der Etagensprecher, könnte man zumindest annehmen. Es kommt dann zu einer lockeren Unterhaltung, ehe dann um kurz vor 22.00 Uhr noch Martin vorbeischaut, der gerade vom Klettern kommt. Ich zeig ihm selbstverständlich mein Zimmer und wir verabreden uns für morgen 18.00 Uhr bei ihm. Denn auf der Bastille so ein Grillfest für Studenten stattfinden, gesponsert von einem Unternehmen. Mal abwarten, denn insgesamt habe ich den Eindruck, dass hier alles teurer ist. Das bestätigt auch Ludivine, die mir erzählt, dass eine Soirée d´Etudiants, einer Art Studentendisco 10 € Eintritt kostet und in diesem Preis nicht mal ein Getränk sein soll. Teures Studentenleben, sag ich da nur.

Freitag, 26.04.2002
Der Freitag geht dann schon wieder ziemlich unbequem los. Die erste Nacht im neuen zu Hause, und schon geht hier Alarm los, um 1.30 Uhr, na dann gute Nacht. Ich hab noch gedacht, das ist doch hoffentlich nicht wegen mir. Das war vielleicht ein schreckliches Gequitsche, furchtbar. Naja, erst hab ich es gar nicht kapiert, was hier abgeht, aber dann hab ich mir überlegt, he, es könnte ja auch ein Feueralarm sein. Also, schnell raus aus den Federn und was angezogen. Mein ganzes Equipement hab ich natürlich zurückgelassen, war ja ohnehin versichert. Aber als ich dann unten gekommen war, war auch schon wieder alles vorbei. Falscher Alarm. Naja, wenn das jede Nacht so ist, dann mach ich mich sofort auf den Weg zurück nach Hause, hab ich José gesagt. Morgens dann hab ich erst mal ausgeschlafen, und bin dann in die Univérsité Stendhal gegangen. Ich wollte noch fragen, wann es am Montag losgeht. Danach hab ich den Computerraum aufgesucht, oder wie man das nennen möchte. Ganze 16 Computer mit Internetanschluss, und das für tausende von Studenten. Schwach kann ich da nur sagen. Und dann muss man sich auch noch eintragen. Der nächte Tag, der frei war, war Donnerstag, der 2.5..
Der Campus
Ich hab mich dann sicherheitshalber auch gleich noch für den Freitag eingetragen, man weiss ja nie. Und was auch komisch, aber eigentlich auch wieder nicht, ist, dass die französische Computertastatur ganz anders als die unsere ist. Die Franzosen kennen eben keine Umlaute! Also geht die Ein-Finger-Sturzflugtechnik wieder los. Den Nachmittag hab ich dann mit Essen in der Mensa und dem Studium von französischen Zeitungen rumgebracht. Am Abend lerne ich Thomas kennen, ebenfalls ein deutscher E-Techniker, der mit Martin hier zusammen studiert. Wir gehen abends Pizza essen und wollen dann danach noch kurz einen saufen, denn um 0.00 Uhr hat schliesslich Martin Geburtstag, und da feiern wir schon rein. Also gehen wir zunächste in einen Irish Pub, es regnet mittlerweile in Strömen und ich bin mit dem Fahrrad in der Stadt. Aber das kümmert mich momentan nicht so, schliesslich könnte ich auch mit der Strassenbahn heimfahren, allerdings schon um 0.15 Uhr. Jetzt muss ich mal bei dieser Gelegenheit was loswerden. Das Bier hier ist sauteuer. Ich trinke ein Franziskaner Hefeweizen und bezahle 5,30 €, das ist das Doppelte, was ich in Deutschland bezahle. Das mach in nicht lange mit, das weiss ich genau. Aber man lebt schliesslich nur einmal. Um den 24.Geburtstag von Martin zu feiern, wechseln wir die Location. Wir gehen in einen Laden, der ordentlich gefüllt ist, und in dem auch ganz hübsche Mädels herumlaufen. Wir trinken einen Wein, vin de Criette. Es ist ganz lustig, die Musik ist gut, und wir tanzen. Martin bestellt zur Feier des Tages gleich noch eine Bouteille, kostet 8 €, es sind vielleicht 0,33 l. Um 0.45 Uhr macht der Laden zu, und wir gehen nach Hause, ohne Bekanntschaft mit einer hübschen Französin gemacht zu haben. Ich entschliesse mich nun doch dazu, bei Martin zu schlafen.

Samstag, 27.04.2002
Am Samstag wache ich um kurz vor 11.00 Uhr bei Martin auf da uns Thomas aus dem Schlaf klingelt. Denn wir hatten den Tag zuvor geplant, eine Wanderung zu machen. Aber nicht einfach nur wandern, nein, wir wollen auf den Néron hinauf, und der liegt auf gut 1.300m Höhe. Dazu muss man wissen, dass Grenoble selbst auf lediglich gut 200m liegt. Naja, auf jeden Fall ist das Wetter 1a, und so können wir gehen. Wir entschliessen uns dazu, uns um 13.00 Uhr bei Martin zu treffen. Ich komme mit dem Auto und hole die beiden ab, ehe wir dann nach Narbonne fahren, einem kleinen Ort am Fusse des Berges gelegen. Um gut 13.30 Uhr brechen wir dann auf. Das Wetter ist perfekt und so brechen wir auf. Zunächst noch durch Wald über unwegiges Gelände. Martin hat zum Glück eine Karte dabei, aber die hilft uns nur bedingt, und so haben wir uns auch schon verfranzt. Aber egal, wir laufen nochmals zurück und finden doch tatsächlich den richtigen Weg. Es geht weiter, immer den Berg hinauf. Das Gefälle ist ziemlich steil. Ich meine es dürften gut weit über 30% Steigung sein. Ich merke die Anstrengungen bereits nach wenigen Metern. Aber das ist mir gleich, denn den Ehrgeiz hab ich schon, oben auf dem Gipfel anzukommen. Und so geht es weiter. Um kurz vor 17.00 Uhr wird es dann plötzlich doch ein bisschen gefährlich, wir müssen eine Steilwand hinauf, gut es hängt ein Drahtseil in der Felswand, an der man sich hinaufziehen und festhalten kann. Aber dennoch, sollte man ausrutschen und das Drahtseil auslassen, dann fällt man schon mal gute 10m in die Tiefe und damit ist der Fall immer noch nicht beendet!
Blick über Grenoble
Gut, aber das Hindernis lassen wir hinter uns. Plötzlich stehen wir auf dem Gipfel, wir haben es geschafft. Es geht nicht mehr höher. Wir geniessen einen wundervollen Blick über Grenoble. Es ist unbeschreiblich schön. In diesem Moment denke ich daran, wie es jetzt wohl den Daheimgebliebenen geht, die dieses Schauspiel nicht erleben können. Nach einer kurzen Rast geht es dann schliesslich weiter. Die anderen haben sich dazu entschlossen, das Gipfelkreuz noch in Angriff zu nehmen. Gesagt, getan. Jetzt wird es aber richtig gefährlich, insbesondere bei dem schlechten Schuhwerk, das ich habe. Wir klettern über Felswände, die zwar schon recht griffig sind, aber ein falscher Tritt und das könnte es gewesen sein - für immer!
Der Gipfel ist erreicht
Als wir dann das Gipfelkreuz erreicht haben, stellt sich für uns ein neues Problem - der Rückweg. Denn mittlerweile ist es auch schon halb neun. Und wie lange es noch hell ist, wissen wir nicht so genau. O.K., schon noch bis gut 20.00 Uhr, aber ob wir bis dahin uns durch den doch teilweise dichten Wald durchgearbeitet haben, wissen wir nicht. Ich packe noch kurz 2 schöne Felsbrocken als Andenken an diese Tour ein und schon geht es bergab. Wir kommen ganz gut voran. Jetzt machen sich allerdings meine Kniee bemerkbar. Denn der Abstieg geht ganz schön auf die Gelenke. Jeder Tritt ist eine Tortur. Als wir schliesslich das Auto erreichen, ist es 20.00 Uhr. Wir fahren zunächst zu Martin. Dort entschliessen wir uns, am Abend ins Kino zu gehen, "Panic Room" mit Jodie Foster auf Französisch. Das Kino kostet für Studenten 5,50€, mal was, das in Deutschland teurer ist, ich kanns nicht fassen. Der Film ist wirklich gut, sehr spannend, und ich versteh sogar was, ehrlich gesagt, nahezu alles, halt nicht im Détail, aber inhaltlich in jedem Fall. Nach dem Kino gehen Martin und ich noch in eine Kneipe, "Arkange Pub" Thomas zieht das Bett vor. Freunde von ihm wollen auch noch kommen. Wir trinken einen Chatreuse, was ganz Leckeres, aber auch mal wieder sehr Teures. Dafür stecken Martin und ich die Gläser als Andenken ein.
Arkange Pub
Ätsch! Seine Freunde stellen sich als Spanier heraus, mit einer Ausnahme allerdings. Als sich das Päarchen unter den Spaniern zum Beischlaf verabschieden, gehen wir restliches vier, ein Spanier, ein Franzose und wir beiden noch in eine Disco. "Le Phonix" heisst sie, liegt etwas ausserhalb. Wir zahlen als Studis 8€ Eintritt, trotz, dass es schon 3.00 Uhr ist, der Spanier zahlt 13€. Die Disco ist gar nicht schlecht. Wir haben noch ein Freigetränk im Wert von 8€ mitbekommen, und das ist schon das billigste! Die Musik ist gut, es laufen die meiste Zeit über ausschliesslich mir bekannte Sachen. Es dauert keine 15min und schon werden Martin und ich von Mädels angemacht, aber nicht weil wir etwa gut aussehen würden, nein, die Mädels haben Durst. Bei den Preisen würde ich mir auch lieber einen Sponsor suchen. Ich lass die Mädels eiskalt abblitzen, für sie wahrscheinlich unverständlich, aber ich hab einfach keine Lust und zudem würde ich mich bei den beiden strafbar machen, die sind höchstens 18 Jahre alt. Als ich mir dann meine Whisky Coca hole und auf die Tanzfläche damit gehe, kommt die nächste Überraschung. Es ist verboten, mit dem Glas auf die Tanzfläche zu gehen. Das verstehe wer will, aber gut, wir sind in Frankreich und so muss ich mich eben anpassen. Nach 2 entspannenden Stunden gehen wir schliesslich. Bis ich mit dem Fahrrad dann endlich in meinem Zimmer in die Federn falle, ist es 6.00 Uhr, na dann gute Nacht.

Sonntag, 28.04.2002
Der Sonntag ist schnell erzählt. Erst mal habe ich ausgeschlafen. Eigentlich wollte ich noch morgens schnell ein Baguette kaufen, aber das hab ich dann doch nicht mehr gemacht, hatte keine Lust. Also hab ich mich nochmals hingelegt. Erst zwischen 16 und 17 Uhr bin ich dann aufgewacht. Kurz noch was an meiner Homepage gebastelt und dann ab in die Küche zu Essen fassen. Ich mache mir Reis, ein halbes Kilo, eigentlich zu viel, aber jetzt muss es halt weg, was solls. José gesellt sich zu mir, und wir quatschen ein bisschen. Ich erzähl ihm, wie der Film war und wir reden über die Einkommen und das teure Leben in Frankreich. Die Durchschnittslöhne in Frankreich sind bei 1.100€ brutto! Ich weiss nicht, wie die das schaffen, bei den Preisen, dann Auto, Wohnung. Echte Lebenskünstler, die Franzosen. Am Abend schau ich mir dann noch die beiden Filme, die ich mir auf CD mitgebracht habe, "Der Schuh des Manitu" und "Die Truman Show" auf dem Laptop an. Um 23.30 Uhr wird dann der Laden dicht gemacht. Gut´s Nächtle. Und schon ist die erste Woche Frankreich rum!


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